Mittwoch, 25. September 2019

Erinnerungskultur: Ausstellung zur Interkulturellen Woche eröffnet

"Andere Länder - andere Sitten". Dies gilt nicht nur beim Essen und Trinken und vielen alltäglichen Ritualen. Auch Erinnern ist nicht gleich Erinnern. Dies war Gegenstand eines Projektes, das Migranten und Nichtmigranten ein Jahr lang gemeinsam angegangen waren und das nun in einer eigenen kleinen Ausstellung seit dem 16.9. im Rahmen der Interkulturellen Woche am Libo präsentiert wird. 

Während in vielen Ländern Europas und auch des Nahen Ostens Erinnerung oft vor allem in der Heraussstellung der Helden der Geschichte der eigenen Nation geschieht, ist in Deutschland Erinnern eng gekoppelt an die Erfahrung zweier Weltkriege, die von hier ausgingen, und der Verfolgung und Ermordung von Juden und anderen Randgruppen während des Nationalsozialismus.

Die Projektgruppe aus Menschen mit und ohne Migrationshintergrund machte sich auf Spurensuche, besuchte Erinnerungsorte wie das KZ Buchenwald und die Gedenkstätte Bernburg und traf Menschen, die hautnah von der NS-Zeit berichten konnten, so zum Beispiel Professor Erika Rosenberg, die Biografin der Familie Schindler. 

Abschließend versuchten die Projektmitglieder - zum Beispiel an der Geschichte des Staates Israel - sich zu verdeutlichen, wie unterschiedlich das gleiche geschichtliche Ereignis aus verschiedenen (Fluch-)Perspektiven gesehen werden kann. In Palästina suchten damals Juden aus ganz Europa Zuflucht vor der Verfolgung der Nazis. Zugleich war die Gründung des Staates Israel der Beginn einer Fluchtbewegung von Palästinensern in die arabischen Nachbarstaaten und darüber hinaus.

Jana Khreivech aus der Klasse 11, selbst Palästinenserin und seit drei Jahren erst in Deutschland, berichtete Mitschülern und Gästen der Ausstellungseröffnung von der Vorgehensweise und den Ergebnissen der Projektgruppe, der sie und ihre Mutter angehörten.