Dienstag, 21. November 2017

"Echt krass" - Interaktive Ausstellung zur Prävention gegen sexualisierte Gewalt am Libo eröffnet



Infoflyer ECHT KRASS!Jede vierte bis siebte Frau und jeder zehnte bis vierzehnte Mann waren bereits mindestens einmal von sexualisierter Gewalt gegen seine Person betroffen. Die Betroffenen haben oft ihr Leben lang mit den Folgen dieser Traumatisierung zu kämpfen. Nicht zuletzt die aktuelle #MeToo-Debatte zeigt, dass das Thema sexueller Übergriffigkeit betroffen macht und kontrovers diskutiert wird. Die entscheidende Frage, auf die alle Diskussionen zurückgeführt werden kann, ist, wo der Spaß aufhört und der Übergriff beginnt.

Bezogen auf den Kontext der schulischen Bildung  müssen sich Schulen verstärkt fragen, wie Jugendliche einerseits lernen können, über ihre Wünsche und Bedürfnisse, auch sexueller Natur, zu reden und dabei auch ihre Grenzen wahrzunehmen. Andererseits ist zu vermitteln, wie sie diese Grenzen auch klar gegenüber anderen setzen und verteidigen können, ohne sich zugleich in der Gruppe der Gleichaltrigen als uncool oder hinterwäldlerisch brandmarken zu lassen.

Nachdem das Liborius-Gymnasium Dessau im Frühjahr 2017 seine eigene Präventionskonzeption verabschiedet hat, wird ein neues Element dieser Konzeption nun vom 21.11. bis 15.12. erstmals für die Klassen 7-12 umgesetzt. Die von der Fachhochschule Merseburg in Zusammenarbeit mit dem Petze-Institut in Kiel zusammengestellete interaktive Ausstellung "Echt krass. Wo hört der Spaß auf?" versucht in zum Teil sehr drastisch gestalteten Tafeln mit oft provokativ formulierten Texten Jugendliche dazu anzuregen, über ihre Grenzsetzungen im Bereich der Sexualität ins Gespräch zu kommen.

Die jungen Menschen werden ermuntert zu benennen, was sie noch "OK", "total uncool" oder unmöglich finden, um dabei festzustellen, dass ihre Grenzen nicht unbedingt auch die Grenzen der anderen in ihrer Altersgruppe oder Klasse sind. Dabei wird klar, dass Verständigung und klare Kommunikation auch in diesem so tabubesetzten Bereich notwendig ist, um Verletzungen zu vermeiden - eine echte Herausforderungen nicht nur für die Kids, sondern auch für die Lehrer, welche die Ausstellung oder Teile davon mit ihren Klassen in den nächsten Wochen besuchen werden.

Lydia Schmidt, Präventionsbeauftragte
Zur Eröffnung der Ausstellung kamen VertreterInnen verschiedener Koordinations- und Beratungsstellen in Dessau-Roßlau und Umgebung, die Kindern und Jugendlichen, die Übergriffe oder Missbrauch erfahren haben oder Rat und Hilfe in Fragen der Sexualität suchen, offenstehen. Auch Lydia Schmidt, die Präventionsbeauftragte des Bistums Magdeburg, war zur Eröffnung anwesend. Sie erläuterte noch einmal den traurigen Kontext, in dem die katholische Kirche sich weltweit veranlasst sah, konkrete und verlässliche Schritte zur Vermeidung sexuellen Missbrauchs in ihren Gemeinden und Einrichtungen zu unternehmen, und begrüßte ausdrücklich das Konzept der Ausstellung. Sie wünschte allen Beteiligten Mut zur Behandlung dieses auch in einer scheinbar modernen und aufgeklärten Zeit so tabubesetzten und heiklen Themas.