Mittwoch, 19. August 2015

Anders? - Cool!


Podiumsdiskussion am Liborius-Gymnasium zur Integration junger Migranten
AndersCool2In der vergangenen Woche wurde die Ausstellung "Anders?-Cool!" am Liborius-Gymnasium Dessau gezeigt. Sie veranschaulicht den oft mühsamen Weg zur Integration, den junge Migranten in Deutschland zu gehen haben.
Aber was heißt das konkret für junge Menschen, die nach Dessau kommen, was heißt das für die Menschen die professionell oder ehrenamtliche um Integration bemüht sind und wie kommen die lokalen Probleme auf Bundes-, Landes- und Regional-
Ebene an? Diesen Fragen stellten sich die Podiumsteilnehmer beim Liborius-Forum am 15. April.
Der Bundestagsabgeordnete aus Halle Dr. Karamba Diaby mit afrikanischem Migrationshintergrund betonte, dass es wichtig sei, die durch Migration entstehende Vielfalt als Wert zu begreifen. Auf die konkrete Politik der Regierungskoalition angesprochen, musste er aber einräumen, dass nicht alles, was sinnvoll und notwendig zur Sicherung dieser Vielfalt sei, auch in der Koalation durchzusetzen sei.
Frau Schwenke vom Caritasverband des Bistums Magdeburg wendete den Blick auf die vielen unbegleiteten Flüchtlinge, deren Schicksal oft von Einstufungsverfahren abhängt, die weder transparent noch rechtssicher abliefen. Hier würde oft durch eine Brille geschaut, die eher prüft, ob man den jungen Migranten ablehnen könne als welche Gründe für die Beheimatung bei uns sprechen. Hier sei noch manches im Argen.
AndersCool3Auch die Bildungsintegration kann trotz allen redlichen Engagements noch nicht als wirklich gelungen bezeichnet werden. Wenn - wie eine Lehrkraft berichtete - in einer Auffangklasse 20 und mehr Kinder völlig unterschiedlichen Alters und extrem verschiedener Bildungsniveaus sitzen, ist eine zügige Integration in vorhandene Bildungsgänge oft nur schwer zu leisten. Mangel herrscht auch an ausgebildeten Lehrkräften für Deutsch als Fremdsprache.
Eine wichtige Rolle spielt letztlich auch der Anschluss in die berufliche Bildung. Johannes Koschig, Pflegedienstleiter der anhaltischen Diaonissenanstalt in Dessau, verwies hier auf Erfolge bei der beruflichen Integration. 
Dies könnte zum Beispiel durch eine einjährige Grundausbildung in der Krankenpflege geleistet werden, die schon vielen Migranten als Sprungbrett für Ausbildungswege bis hin zum Facharzt bereitet habe. Zugleich hätten die hier aufgewachsenen Mitarbeiter der Klinik unglaublich viel gelernt durch die hinzugestoßenen neuen Mitarbeiter aus anderen Kulturräumen.
Alle Beteiligten machten deutlich, dass große Ziele nicht für kleine Münze zu haben seien. Elementar sei dabei die Sicherung des Rechtes auf Bildung für alle Kinder und Jugendlichen, gleich welches Schicksal sie nach Deutschland gebracht habe und gleich welchen Status sie genießen. Deutschland habe hier durch die Unterzeichnung der entsprechendn UN-Charta eine Verpflichtung übernommen, vor der es sich nicht drücken könne und dürfe.